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Die Rückgabe des Gemäldes „Lesender Mann“

Das Gemälde „Lesender junger Mann“ von Bernhard Pankok aus dem Jahr 1892. ©Stadtmuseum Münster
In der kleinen Präsentation im Stadtmuseum, die ab dem 7. März 2025 gezeigt wird, steht das Verhältnis von Sammler und Künstler im Mittelpunkt. Das Porträt von Max Rosenfeld von der Hand Pankoks wird ebenso gezeigt wie Fotos der von Bernhard Pankok eingerichteten Villa und Entwurfsarbeiten für die Ausstattung der Villa. Außerdem wird die Beziehung zwischen Max Rosenfeld und Bernhard Pankok anhand historischer Dokumente beleuchtet und das Gemälde „Lesender junger Mann“ erläutert.
Der Förderverein Stadtmuseum Münster e.V. hat den Nachlass des Künstlers Bernhard Pankok erworben, darunter sind auch einzelne Stücke, die mit den Aufträgen für die Villa Rosenfeld zusammenhängen. Beispielsweise ist das Modell für eine große Rahmenschnitzerei für das Foyer der Villa Rosenfeld erhalten.
1998 beschlossen 44 Staaten, darunter Deutschland, in Washington D.C. Prinzipien zur Identifizierung und Rückgabe von NS-Raubgut. Sie setzten sich zum Ziel, von Nationalsozialisten beschlagnahmte Kunstwerke und deren Vorkriegseigentümer ausfindig zu machen, um „gerechte und faire Lösungen“ zu finden, welche „die Fakten und Umstände des spezifischen Falls“ berücksichtigen.
Das Stadtmuseum Münster sieht sich den Zielen der Washington Principles von 1998 und der Gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz, vom Dezember 1999 verpflichtet. Das Gemälde „Lesender Mann“ wurde von den Nationalsozialisten in Amsterdam enteignet. Auf unbekannten Wegen kam es 1991 in den deutschen Kunsthandel und wurde ohne Kenntnis der Vorgeschichte auktioniert und gutgläubig vom Stadtmuseum erworben. Da das Gemälde verfolgungsbedingt geraubt worden ist, muss es an die Erben des Sammlers Max Rosenfeld, die heute in den USA leben, zurückgegeben werden. Rosenfelds jüngerer Sohn Paul Georg (1906–1988) emigrierte Anfang Dezember 1938 mit seiner Familie über die Niederlande in die USA. Dort leben nun die Urenkel von Max Rosenfeld.
Das Gemälde „Lesender junger Mann“ von Bernhard Pankok (1872-1943) aus dem Jahr 1892 gehört zu den Frühwerken des Malers und Designers. Noch nicht einmal 20jährig malte er dieses ikonische Bild, das einen in Lektüre versunkenen Mann zeigt. Als Modell saß sein Studienkollege Wilhelm Köster.
Der jüdische Tabakhändler und Kunstsammler Max Rosenfeld schätzte die Arbeiten des aus Münster stammenden Künstlers sehr und erteilte diesem zahlreiche Aufträge, worunter auch der Umbau und die spätere Ausstattung seiner Stuttgarter Villa zählte. Die beiden Männer verband eine besondere Beziehung.
Max Rosenfeld schätzte das Gemälde so sehr, dass er es 1939 mit in die erzwungene Immigration nach Amsterdam nahm. Dies berichtet Max Rosenfeld eigens in einem Brief an Bernhard Pankok in alter Verbundenheit aus dem Exil im Dezember 1939. Hier lebte Max Rosenfeld bis zu seiner Deportation im Februar 1943. Im März 1943 wurde er im Durchgangs- und Konzentrationslager Westerbork ermordet. Das Schicksal von Max Rosenfeld und seiner Familie geriet in Vergessenheit. Mit der Zerstörung seiner Villa im Zweiten Weltkrieg war auch der wichtigste Erinnerungsort an die Familie verloren gegangen.